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Angst 6 Min.

Panikattacken: Erste Hilfe für dich selbst

Eine Panikattacke ist nicht gefährlich, aber erschreckend. Die 5-4-3-2-1-Technik, physiologische Seufzer-Atmung und was nicht hilft.

Was ist Panik?

Eine Panikattacke ist ein biologischer Sturm: rasendes Herz, Atemnot, Schwitzen, das Gefühl zu sterben. Trotz ihrer Intensität ist diese Reaktion nicht lebensbedrohlich und erreicht meist innerhalb von 10 Minuten ihren Höhepunkt und klingt dann ab.

Häufige körperliche Symptome

SymptomWarum es auftritt
HerzrasenAdrenalinschub
AtemnotSchnelle Brustatmung
SchwindelAbfall des CO₂-Gehalts im Blut (Hyperventilation)
Frösteln oder HitzewallungenBlutverlagerung in die Muskeln
Kribbeln in den HändenVerengung der Fingerblutgefäße
Gefühl von UnwirklichkeitReaktion des Gehirns auf intensiven Stress
Angst zu sterben oder verrückt zu werdenDas Gehirn deutet die Körperreaktion falsch

All diese Symptome sind vorübergehend. Dein Körper tut genau das, wofür er gebaut ist: auf eine wahrgenommene Bedrohung reagieren.

Drei schnelle Hilfsmittel

1. Die 5-4-3-2-1-Technik (sensorische Erdung)

Benenne laut und ruhig:

  • 5 Dinge, die du siehst
  • 4 Dinge, die du berühren kannst
  • 3 Dinge, die du hörst
  • 2 Dinge, die du riechst
  • 1 Ding, das du schmeckst

Das lenkt die Aufmerksamkeit von der Gedankenschleife auf die Sinne und beruhigt die Amygdala.

2. Der physiologische Seufzer

Entdeckt von Dr. Andrew Huberman an der Stanford University:

  1. Zwei schnelle Einatmungen durch die Nase (die zweite kürzer)
  2. Eine lange Ausatmung durch den Mund

Der schnellste bekannte Weg, die Erregung in unter 30 Sekunden zu senken. Drei bis fünf Wiederholungen reichen aus.

3. Es benennen

Sag ruhig, laut:

„Das ist Panik. Es ist keine echte Gefahr. In 10 Minuten wird es vorbei sein."

Das Benennen des Phänomens aktiviert den präfrontalen Kortex, der die Amygdala zügelt.

Was nicht hilft

Häufige ReaktionWarum sie nicht funktioniert
Schnelles, tiefes AtmenVerschlimmert die Hyperventilation
Aus der Situation fliehenFührt später zu chronischer Vermeidung
Viel kaltes Wasser auf einmal trinkenNur eine kurzzeitige Ablenkung
Jedes Mal den Notruf wählenVerstärkt die Angst vor der Panik selbst
Alkohol oder nicht verschriebene TablettenErzeugt psychische Abhängigkeit

Der Teufelskreis der Angst vor der Angst

Panik wird oft durch „Angst vor der nächsten Panikattacke" genährt:

Kleine Körperempfindung → „was, wenn das zur Panik wird" → Angst →
körperliche Symptome → Angst bestätigt → volle Panik

Diesen Kreislauf durchbrichst du, indem du keine Angst vor den Symptomen hast: „Das ist nur Adrenalin."

Langfristige Schritte

Vorbeugung

  • Regelmäßiger Schlaf – Schlafmangel senkt die Panikschwelle
  • Weniger Koffein – über 200mg wird riskant
  • Ausdauertraining 3x wöchentlich
  • Zwerchfellatmung täglich

Behandlung

  • KVT – die wirksamste psychologische Behandlung bei Panikstörung
  • Interozeptive Exposition – kontrolliertes Üben mit den Symptomen
  • Medikamente – SSRI, oder kurzfristig Benzodiazepine in akuten Fällen

Wann sofort Hilfe nötig ist

Wenn du Folgendes erlebst:

  • Brustschmerzen, die sich anders anfühlen als sonst
  • Es ist das erste Mal, dass du diese Symptome hast
  • Symptome nach einem Trauma oder einem Sturz
  • Symptome, die länger als 30 Minuten anhalten

Geh in die Notaufnahme. Die Unterscheidung von einem Herzinfarkt erfordert ein EKG.

Eine wichtige Erinnerung

Treten Attacken wiederholt auf, wende dich an eine Psychologin oder einen Psychologen. Die Panikstörung ist gut behandelbar – oft schon mit 12 bis 16 Sitzungen KVT.